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Flipbook oder klassisches PDF?

„Flipbooks“ sind digitale Prospekte, deren Seiten sich online „umblättern“ lassen. Sie wirken modern und hochwertig und eignen sich gut für Marketing-Material, Magazine oder bildstarke Präsentationen.
Doch bei umfangreichen oder sehr textlastigen Dokumenten stoßen sie oft an Grenzen.

Info: Seit wann gibt es Flipbooks im Web?

Die digitale Flipbook-Technik entstand Mitte der 2000er-Jahre, als erstmals Flash-basierte „Page-Flip“-Effekte im Web auftauchten. Ab etwa 2006 wurden damit Online-Magazine und Prospekte populär. Mit dem Rückgang von Flash und dem Aufstieg von HTML5 ab 2010 entwickelten sich moderne, pluginfreie Flipbooks, wie wir sie heute kennen. Das Kernprinzip – ein Prospekt, das sich digital umblättern lässt – hat sich seitdem kaum verändert, nur die Technik dahinter wurde moderner und für mobile Geräte optimiert.

Wann sind Flipbooks sinnvoll?

  • Starker visueller Fokus (Bilder, Grafiken, Layouts)
  • Präsentations- oder Imagecharakter
  • Wenige Seiten

Wann ist ein PDF oder HTML besser?

  • Viele Seiten
  • Lange, textlastige Inhalte
  • Mobile Nutzung
  • Barrierefreiheit wichtig
  • Dokumente, die wirklich gelesen statt nur „durchgeblättert“ werden sollen

Sind Flipbooks barrierefrei?

Flipbooks basieren oft auf Bildern oder eingebetteten PDFs. Wenn der Text nicht als echter HTML-Text vorliegt, können Screenreader ihn nicht vorlesen. Screenreader wie JAWS oder NVDA benötigen Überschriften, Absätze und Listen als HTML-Elemente. Flipbooks bieten diese Struktur meist nicht. Dazu kommt, dass Flipbooks Inhalte oft nachladen, was Screenreader verwirren kann. Notwendige Maus-Interaktionen (z. B. das Umblättern per Klick), machen die Handhabung für Tastatur-Nutzer oder Menschen mit motorischen Einschränkungen schwierig. Viele Flipbooks haben feste Schriftgrößen (keine Möglichkeit der Skalierung) oder schlechte Farbkontraste, die für sehbehinderte Nutzer problematisch sind.

Suchmaschinen und Flipbooks

Flipbooks sind meist Bilddateien oder eingebettete PDFs. Eine Volltextsuche ist nur möglich, wenn der Text im Hintergrund indexiert wird. Flipbooks werden von Suchmaschinen oft nicht erfasst. Deshalb findet man sie im Internet schwerer.


Dann ist doch ein PDF die bessere Lösung, oder?

Ein PDF, dessen textliche Inhalte kopiert werden können, ist ein durchsuchbares PDF (im Gegensatz zu einem gescannten Bild-PDF). Ob es aber tatsächlich durch die WordPress-Suche oder Suchmaschinen durchsuchbar ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Durchsuchbarkeit in WordPress
    Die interne WordPress-Suche durchsucht nur den Inhalt von Beiträgen, Seiten und bestimmten Metadaten, nicht den Inhalt von hochgeladenen PDFs. Das bedeutet: Auch ein durchsuchbares PDF wird nicht in den Ergebnissen der Standard-WordPress-Suche erscheinen.
  • Durchsuchbarkeit durch Suchmaschinen (Google, Bing etc.)
    Google kann durchsuchbare PDFs indexieren, aber: Das PDF muss öffentlich zugänglich sein (nicht hinter einer Login-Seite), der Text muss korrekt extrahierbar sein (keine komplexen Layouts oder Bilder mit Text) und Google zeigt PDF-Inhalte in den Suchergebnissen an, aber die Nutzerfreundlichkeit ist oft schlechter als bei HTML-Inhalten.

Das bedeutet: PDFs werden in Suchmaschinen oft schlechter gerankt als HTML-Seiten und Nutzer landen direkt im PDF, nicht auf der Website. Das wiederum erhöht die Absprungrate.


Zusammenfassung

Um PDF-Inhalte in WordPress durchsuchbar zu machen, muss ein kostenpflichtiges Plugin installiert werden. Um PDFs für Suchmaschinen zu optimieren, müssen diese öffentlich zugänglich gemacht werden und vorab die Textqualität geprüft werden. Um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern, sollte eine HTML-Alternative angeboten werden (bspw. ein Blogbeitrag mit demselben Inhalt).

PDFs sind sinnvoll

  • als Druckversion (wenn die Seitenbesucher das PDF ausdrucken möchten),
  • zur Archivierung (originalgetreue Darstellung),
  • als Formular oder bei komplexen Layouts (die in HTML schwer umsetzbar sind).

PDFs sind weniger sinnvoll für

  • Online-Lesefreundlichkeit (schlechtere Darstellung auf kleinen Bildschirmen),
  • Barrierefreiheit (ohne Aufbereitung für Screenreader) und
  • Suchmaschinenoptimierung, da HTML besser gerankt wird.

Einschätzung

Flipbooks sind ein optischer Mehrwert, aber kein Lesewerkzeug. Für umfangreiche oder textlastige Inhalte bleiben PDF und/oder gut strukturierte, responsive HTML-Seite die klar benutzerfreundlichere Lösung. Eine Kombination aus HTML-Version (für Online-Leser und Suchmaschine) und als PDF (Download, wenn das PDF gespeichert oder gedruckt werden soll) ist die optimale Lösung.


Beitragsbild
Unbedruckte Broschüre – www.freepik.com


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